Äbtissinen von Thorn Am Ende des zehnten Jahrhunderts gründeten Graf Ansfried von Teisterbant und seine Frau Hereswint ein Kloster in Thorn. Ihre Tochter Benedicta wurde die erste Äbtissin. Es ist mehr oder weniger bekannt, dass nachher zweiundreißigÄbtissinen die Abtei leiteten. Sie wurden von dem Kapitel gewählt. Ein Kapitel ist eine Gemeinschaft van Kanonikern oder Kanonikerinnen, die täglich zu fest gesetzten Zeiten in der Kirche zusammenkommen um die kanonischen Stundengebete zu verrichten. Nachdem das Kloster sich zu einem kleinen Fürstentum entwickelt hatte, führten die letzten sechs Damen den Titel Fürstin-Äbtistin. Sie leiteten auch die Abtei von Essen. Nur Töchter aus hochadeligen Geschlechtern konnten in das Stift von Thorn aufgenommen werden.
Maria Cunegunda von Sachsen, die letzte Fürstin-Äbtissin von Thorn, floh 1794 bei dem Eintreffen der französischen Armee nach Essen. Sie war in Warschau als jüngstes Kind des preußischen Königs geboren. Während ihrer Amtsperiode verblieb Maria Cunegunda meistens auf Schloss Ehrenbreitstein bei ihrem Bruder Wenceslaus, der Kurfürst und Erzbischof von Trier war. Ihre Amtseinführung in Thorn fand vermutlich am 21. September 1776 statt. Maria Cunegunda starb am 8. April 1826 im Alter von 86 Jahren in Dresden. Die offizielle Aufhebung und Beschlagnahme der Thorner Abtei fand 1797 statt.